...die Füße halten noch Schritt


Am nächsten Tag geht es bis Hohenberg. In Gündelhardt machen wir Rast in einem Cafe. Auch hier werden wir nett empfangen. Die Menschen am Jakobsweg sind einfach herzlich. In Mainkling steht ein Schild geschrieben: noch 109 Tage bis Santiago de Compostela. Gar nicht mehr so weit wie wir finden. Der Weg ist gut, viel Teer und Schotterpiste mit kurzen Waldstücken zur Abwechslung. Schließlich erreichen wir Rosenberg und hier gibt’s ein öffentliches WC! Das nutzen wir doch auch gleich. Dann besichtigen wir die Jakobuskirche mit Malereien von Sieger Köder. Das sind außergewöhnliche Kunstwerke. Und wir können uns kaum davon trennen. Auf dem alten Kirchenweg geht es dann knapp 3 km bis Hohenberg. Wir haben Glück, hier ist heute Abend ein Jakobusfest. Herzlich werden wir begrüßt und bekommen erst mal ein kühles Bier. Wir besichtigen die Jakobuskirche, stempeln und entzünden auch hier zwei Kerzen. Uns geht es heute richtig gut. Im Pilgerhospiz sind wir die Einzigen. Sehr schön hergerichtet mit allem was ein Pilger braucht.

Am Abend gehen wir auf das Jakobusfest und es spricht sich schnell rum, das zwei "waschechte" Pilger anwesend sind. Wir ziehen das Interesse der Leute auf uns. Gar nicht so unsere Art. Aber wir haben nette Tischnachbarn und kommen mit so einigen ins Gespräch. Wir lassen es uns gut gehen und genießen den Abend.

Jetzt sind wir schon 7 Tage unterwegs. Die Zeit vergeht wie im Flug. Heute ist unser 1. Hochzeitstag und Sonntag. Im Festzelt erhalten wir bereits am Morgen Kaffee und Kuchen. Auf die Heilige Messe müssen wir leider verzichten, da diese erst um halb zehn ist. Frisch gestärkt steigen wir von Hohenberg ab. Kurz vor dem Aufstieg nach Adelmannsfelden entdecken wir eine neue Wegbeschilderung. Die Variante des Jakobsweges führt ins Kochertal über Pommertsweiler nach Wöllstein. Wir entscheiden uns für die neue Variante. Wir machen eine Rast in Burghardt, direkt am Weg gibt es eine kleine Raststätte. Es geht weiter Richtung Pommertsweiler, hoch und runter wie wir es kennen. In dem kleinen Ort bekommen wir einen Stempel und pilgern weiter nach Wöllstein. Der "Alte Schulweg" geht heftig bergab und zur Jakobuskapelle geht es einige 100 m steil hinauf. Oben angekommen erhalten wir auch hier einen Stempel und besichtigen die wunderschöne Kapelle. Auf der Außenwand der Kapelle ist ein Gemälde von Sieger Köder - Das Hühnerwunder. Dann fordert uns der Weg noch einmal richtig. Es geht querfeldein durch den Wald und oben angekommen erreichen wir Hohenstadt. Nach einigem Überlegen bleiben wir heute hier und gehen erst morgen weiter.

25. 07. 2011 Heute ist Jakobustag!!! In Börrat und Klotzhöfe erhalten wir einen Stempel. Hier gibt es zwei kleine, wunderschöne Kapellen. Der Weg wird besinnlich. Überall am Weg stehen Holzstelen und laden zum verweilen und nachdenken ein. Es ist noch etwas frisch heute Morgen, dennoch kommen wir gut voran. Nach Heuchlingen geht es wieder steil die Asphaltstrasse hinab. Wir verweilen einen Moment und erlesen, dass es derzeit in Bargau keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Uppps. Es nützt nix, wir müssen weiter. Wir erreichen gegen 13 Uhr den Ort und besuchen als erstes die Jakobuskirche.

Heute Abend ist hier großes Fest mit Messe. Als Pilger hat man ja irgendwie immer Glück oder? Nur eine Unterkunft haben wir noch nicht. X-Mal rufe ich bei Frau Barthle an, ohne Erfolg... fast ohne. Ja als Pilger hat man immer Glück! Unsere Unterkunft ist heute ein Pilgerwohnwagen! Einzigartig! Da steht wirklich ein Wohnwagen mit Muschelzeichen mitten im Garten. Anne Barthle empfängt uns herzlich und wir fühlen uns nach einigen Minuten wie daheim. Gemeinsam mit unserer Herbergsmama besuchen wir die Heilige Messe und genießen den Abend am Fest. Wir haben viele gute Gespräche.

Punkt 7 Uhr hat Anne uns ein reichliches Frühstück hergerichtet. Soviel können wir gar nicht essen. Ach hier gefällt es uns und wir kommen nur schwer los. Aber wir haben ja ein Ziel vor Augen. Steil bergan geht es über eine Stunde, ehe wir das Bargauer Kreuz erreichen. Puh das steilste Stück auf der Strecke. Der weite Ausblick über die Berge belohnt uns für die Mühe. Danach schlängelt sich der Weg durch den Wald, mal hoch mal runter aber alles nicht mehr so steil. Am Nachmittag erreichen wir Gussenstadt und mieten uns im Gasthof "Hirsch" ein. Die haben einen tollen Biergarten, den wir auch gleich nutzen. Nach dem Duschen spazieren wir eine Runde durch den Ort.

Am Abend essen wir gut. Die Nacht allerdings verbringen wir nicht so gut. Im Zimmer sind gefühlte 100 junge Mücken. Wir killen eine nach der anderen und werden immer wieder gestochen. Dann wird sich eingecremt. Licht aus!

Unser vorletzter Pilgertag bricht an. Am Morgen packen wir unsere Sachen und nach einem guten Frühstück geht es los. Es tröpfelt leicht, mehr aber nicht. Nach gut 8 km rasten wir in Sontbergen. In der kleinen Kirche im Ort erhalten wir einen Pilgerstempel.

Hin und wieder kommt die Sonne raus. Der Weg verläuft überwiegend auf Asphaltwegen entlang der Straße. Kurz nach Zähringen biegt der Weg ins Gelände ein. Hier werden wir von hunderten Bremsen angegriffen. Wow, die haben’s in sich und ohne Mückenschutz geht es nicht weiter. Wir cremen uns ein und dann entspannt sich die Lage. Wir genießen jeden Schritt und werden mit tollen Landschaften belohnt. Wir erreichen bei strahlender Sonne gegen Mittag Lonsee. Hier rasten wir und holen uns beim Pfarrer einen Stempel. Dann führt uns der Weg querfeldein stetig bergauf. Vor uns liegen noch gut 10 km und die Sonne brennt jetzt richtig. Wir laufen ein ganzes Stück direkt an der B10 entlang. Die Abgase sind deutlich zu spüren und laut ist es auch. Wir überqueren die Straße und gehen fast 3 km gerade aus auf einer Teerstraße. Sieht aus wie eine Versuchsstrecke oder so was. Der Weg zieht sich ewig und man kann irgendwann wann weder Anfang noch Ende sehen. Dann biegt der Weg in den Wald ab und es wird richtig matschig. Kurz nach 17 Uhr erreichen wir unser Tagesziel und beziehen ein tolles, riesengroßes Zimmer. Hier ist man als Pilger willkommen und wir werden herzlich begrüßt. Wir trinken und essen erst mal was. Der Tag heute war sehr lang und die Beine sind einfach müde. Wir tragen uns ins Pilgerbuch ein. Am Horizont können wir die Ulmer Vorstadt schon sehen. Wir sind dem Ziel schon sehr nahe. Noch einige Radler und dann geht es ein letztes Mal ins Bett.

Letzter Tag - Ulm wir kommen. Die ersten Kilometer gingen schleppend bis Mähringen. Als wir jedoch aus dem Wald rauskommen und in der Ferne das Münster erblicken geht alles wie von selbst.

Kurze Zeit später stehen wir vor dem riesigen Monument und können es kaum glauben dass heute und hier unsere Pilgerreise 2011 beendet ist. Wehmütig aber auch mit Stolz besichtigen wir das Münster, ehe es per Bahn wieder nach Hause geht.

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