In jedem Ende steckt ein neuer Anfang


Wir sind am Null-Kilometerstein in Finisterre. Den Abend verbringen wir mit Gudrun und Franz. Ziemlich einsam am Kap, am Ende der Welt... Mit Sekt, Wein und Knapperzeugs lassen wir unsere Pilgerjahre Revue passieren. In den letzten Tagen haben wir das ziemlich oft getan. Was haben wir alles erlebt, gesehen und geschmeckt. Und nun 3000 km von Zuhause sitzen wir hier und schütteln mit dem Kopf. So unglaublich ist das. Gudrun und Franz geht es ähnlich. Auch sie waren 8 Jahre unterwegs. Den Sonnenuntergang erahnen wir nur, macht aber nichts. Wir haben alles erreicht und alles so wie es sollte.

Am Morgen geht es noch mal zum Strand. Muscheln sammeln und Ade sagen. Eins ist sicher, wir kommen wieder. Dann ab in den Bus und nach Santiago. Wir wollen die Stadt genießen und begreifen das wir angekommen sind. Begreifen was „ankommen“ für uns bedeuten kann und soll. Wir checken im Hotel ein und gehen dann auf die Plaza zum „Pilger gucken“. Immer wieder kommen Pilger an und freuen sich über das Erreichte. Sie liegen sich in den Armen, jubeln, singen und hüpfen. Einige knien nieder und es rollen Tränen. Tränen der Freude. Überwältigend ist das.

Wir schlendern durch die Straßen und Gassen und schauen sicher in jeden Souvenirladen – und davon gibt’s eine Menge. Wir haben uns nie etwas gekauft in all den Jahren. Immer wollten wir uns das für Santiago aufheben. Und jetzt sind wir fast etwas überfordert. Es gibt einfach alles was man sich erdenken kann...es ist der Wahnsinn. Shirts, Tassen, Anhänger, Figuren, Schmuck und und und… Eine Flut an Andenken. Es ist natürlich auch viel Klitsch und Klimbim dabei, gehört aber auch dazu. Kaufen tun wir heute nichts, das ist absolute Reizüberflutung!

Am Abend essen wir mit Gudrun und Franz unsere erste Paella und bummeln noch etwas durch die Gassen. Ich glaube die Stadt schläft nie. Überall wird gefeiert und gelacht. Am Platz vor der Kathedrale ist es leer geworden. Prunkvoll und anmutig schaut der Hl. Jakobus auf uns herab. Und wir stehen einfach nur da und schauen ihn an… Es ist immer noch unglaublich hier zu sein.

Ein neuer Morgen bricht an und nach gutem Frühstück und Spaziergang im Park steuern wir die Kathedrale an. Jetzt erst gehen wir rein. Wir müssen nur kurz anstehen und dann sind wir drin. Wir gehen umher und schauen, staunen und brennen Kerzen an. Wir sind einfach nur dankbar. Dankbar für einen tollen Weg, wenngleich er nicht immer einfach. Er hat uns vieles gelehrt. Dankbar für all die Menschen auf dem Weg, die uns Begleiter und Freunde waren und sind. Danke das es euch gibt! Dankbar auch für all die Wege, die wir gehen durften, dankbar für die Gesundheit die wir haben und dankbar für jede Unterkunft in der wir nächtigen konnten. Ich kann gar nicht oft genug sagen wofür wir dankbar sind. Hier in der Kathedrale fällt jegliche „Last“ ab. Wir sehen unser Ankommen nicht als Ende. Nein, wir werden immer unterwegs sein.

Wir gehen in die Gruft wo die Gebeine vom Jakobus liegen und gleich danach oben rum zum Jakob selber. So lange haben wir gewartet und er auch auf uns! Wir umarmen ihn, das ist Pilgertradition. Aus Demut und Dankbarkeit, dass er uns auf dem Weg begleitet und beschützt hat. Wenig später suchen wir uns einen Platz im Seitenschiff der Kathedrale, denn die Pilgermesse soll gleich beginnen. Und dann werden wir von einem Pilger angesprochen. Er kennt uns aus 2015 aus Valayt. Ein französisches Kloster, in dem wir übernachtet hatten. Der Wahnsinn! Er hat uns sofort erkannt. Wir plaudern nur kurz, dann endlich, die Pilgermesse beginnt. Eine deutsche Pilgergruppe aus Aachen ist heute angekommen und hat den Botafumeiro spendiert. Der Botafumeiro ist ein etwa 1,60 m großes und 54 kg schweres Weihrauchfass und gehört zu den Hauptattraktionen der Kathedrale von Santiago de Compostela. Er hängt an einem etwa 66 m langen Seil und wird zu besonderen Anlässen von acht Männern in Bewegung gesetzt und bis hoch unter die Decke geschwungen. Der Botafumeiro gehört zu den größten seiner Art.

Einer der Aachener Pilger spricht zu Beginn der Messe ein deutsches Gebet und spricht uns damit aus dem Herzen. Die Messe beginnt. Es wird verlesen wer heute in Santiago angekommen ist. Von der eigentlichen Messe verstehen wir zwar nicht viel, da alles auf Spanisch ist. Aber es ist allemal feierlich und emotional. Eine Nonne singt bezaubernd schön – Gänsehautmomente. Vor allem, weil sie auch in Deutsch singt und wir mit einstimmen können. Der Höhepunkt am Ende der Messe ist natürlich das Schwingen des Weihrauchfasses. Von acht Männern wird dieser in Schwung gesetzt, schwingt mit ca. 65 km/h durch das Querschiff. Am Tiefpunkt der Kreisbahn berührt er beinahe den Boden. Das ist der Wahnsinn. Sowas haben wir noch nie gesehen. Da kann man nur staunen.

Die Messe ist vorbei und wir jetzt nur noch Touris…… Shopping ist angesagt! Und das tun wir auch und werden fündig. Am Abend nehmen wir noch an der deutschen Führung rund um die Kathedrale statt. Und zu guter Letzt gehen wir mit Franz und Gudrun zusammen essen und genießen den Abend mit Wein und Gesprächen zusammen. Es ist so schön und die Zeit verfliegt nur so. Morgen früh geht es beizeiten zum Flughafen…

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