Magie am Cruz de Ferro

Gestern Abend haben wir uns schon auf das kalte Wetter vorbereitet. Zähneknirschend habe ich meine Hosenbeine angezippt und die Armlinge sowie die Regenjacke ganz oben im Rucksack positioniert.

7 Uhr heute Morgen, nach einer guten Nacht, hies es dann aufstehen, dick anziehen, frühstücken und los gehen. Aufwärts verlassen wir Rabanal. Nebel umhüllt die Region und wir laufen durch viel Heidelandschaft. Es ist wie vermutet recht frisch am Morgen. Aber durch das stetige Bergauf geht’s eigentlich recht gut. Alleine sind wir auch nicht, immer wieder kreuzen Pilger den Weg. Nach gut 1,5 Stunden erreichen wir Foncebadon und machen erst mal Pause. Ach herrlich so ein Cafe con leche. Den größten Teil des Aufstieges haben wir geschafft. Hier auf 1439 m Höhe pfeift der Wind ganz schön und die Nebelschwarten nehmen nicht ab.

Nach weiteren 4 km gemächlich bergan erreichen wir das Cruz de Ferro. Auf einer Höhe von 1500 m erreichen wir nicht den höchsten Punkt des gesamten Weges von zu Hause aus. Das müssen wir erst mal sacken lassen. Es sind wenige Pilger hier. Wir steigen gedankenversunken den Steinberg hinauf. Mystisch und irgendwie doch frei. Ein ganz komisches Gefühl gerade. Viele Geschichten erzählen die unzähligen Steine, Bänder oder Bilder hier. Geschichten von Freud und Leid. Von Nebel umhüllt umgibt dieser Ort eine komische Aura. Wir legen auch unseren Stein ab – Gänsehautmoment und das nicht aufgrund des Wetters. Ein Teil von uns bleibt hier, hier am Cruz de Ferro. Der andere Teil geht weiter, bergab gen El Acebo. Die Wege sind teilweise sehr matschig und dicke Pfützen müssen umgangen werden. Das gelingt uns aber recht gut und nur die Schuhe baden im Schlamm. Nach gut 4 km erreichen wir Manjarin und aus der Herberge von Tomas erklingt liebliche Musik. Am Schild davor sehen wir…. 222 km bis Santiago!

Weiter auf matschigen Hohlwegen kommen wir nach weiteren 7 km nach El Acebo. Der Nebel hat sich zum Teil verzogen und das Blau des Himmels wird sichtbar. Wir steuern auf eine der zahlreichen Bars zu und kehren ein. Ein leckeres Sandwich und ein Radler lassen uns verweilen. Wir ziehen auch ein paar Klamotten aus, es wird wärmer. In der Kirche in Riego de Ambros erhalten wir einen Pilgerstempel. Danach geht es steil und steinig bergab. Man muss ganz schön aufpassen und langsam macht es sich auch in den Beinen bemerkbar. Mitten im Wald ein kleiner Tisch mit Früchten und Stempel. Was für eine schöne Idee und die Melone schmeckt prima.

Weiter abwärts, steil, steinig, matschig und schwer schlängelt sich der Weg 5 km Richtung Molinaseca. Puh geschafft – reicht auch für Knie und Beine. Wir überqueren die Puente de Molinaseca und kommen in den Ort. Schmal und langgezogen. Enge verspielte Gassen, spanisches Flair. Die erste Herberge ist uns zu teuer, also doch erst ne Radlerpause ehe wir weiter ziehen. Außerhalb vom Ort kommen wir zur Herberge Santa Marina. Hier war ich 2009 doch schon… wir checken ein, buchen gleich noch das Abendessen mit. Prima! Lustiger Weise habe ich sogar das selbe Bett wie damals. Duschen, waschen und Siesta – das übliche Prozedere wie jeden Tag. 19.30 Uhr gibt’s Essen…. Hunger hätte ich allerdings jetzt schon.

Am Tisch sitzen wir mit Roland aus Ungarn, einer Australierin und 2 Brasilianerinnen. Es ist eine lustige und schöne Tischrunde. Das Essen ist vorzüglich und eigentlich viel zu viel! Salat, Spaghetti Bolognese und Nachtisch, dazu ausreichend Brot, Wasser und Wein.

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